Wichtig! In Bahn und Bus zählt vor allem, wo du sitzt, wen du ansprichst und wie schnell du Hilfe rufst.
- Setz dich in die Nähe des Zugpersonals oder zu anderen Reisenden
- Im Notfall die 110 wählen oder die Notrufsprechstelle nutzen
- Videoaufnahmen an Bahnhöfen dürfen bis zu 30 Tage gespeichert werden
Für deine Sicherheit in der Bahn zählt vor allem, was du selbst tust: wo du sitzt, wen du ansprichst und wie schnell du Hilfe rufst. Unterstützung gibt es reichlich, denn laut einem Themenpapier der DB sind knapp 6.000 Beamte der Bundespolizei und rund 4.500 Sicherheitskräfte der Bahn rund um die Uhr im Einsatz. Die Technik hilft dabei, sie ersetzt aber nicht den Anruf bei der 110.
Wer in Bahnhof und Zug für Sicherheit sorgt
Für die Bahnhöfe und Züge der Eisenbahnen des Bundes ist die Bundespolizei zuständig. Die Beamten wehren Gefahren ab und verfolgen Straftaten, etwa Diebstahl, Körperverletzung oder Vandalismus. Seit dem Jahr 2000 arbeitet die Bundespolizei in einer Ordnungspartnerschaft mit der DB-Sicherheit zusammen, beide tauschen sich rund um die Uhr im Sicherheitszentrum Bahn aus.
Im Nahverkehr entscheiden die Auftraggeber der Länder mit. In ihren Verkehrsverträgen legen sie fest, ob Züge Videokameras haben und ob Sicherheitskräfte mitfahren. Deshalb sieht es in der S-Bahn einer Großstadt oft anders aus als im Regionalzug auf dem Land. In Stadtbussen und U-Bahnen sind die örtlichen Verkehrsbetriebe und die Landespolizei zuständig.
Die DB verweist selbst darauf, dass das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, gemessen an rund 20 Millionen Reisenden und Besuchern täglich sehr gering sei. Das beruhigt statistisch, hilft aber wenig, wenn du nachts allein am Bahnsteig stehst. Ein anderes Risiko betrifft deine Wertsachen, denn Taschendiebe in Bus und Bahn schlagen laut Polizei vor allem in der abendlichen Hauptverkehrszeit zu.
Vor und während der Fahrt
Die meisten Vorsichtsmaßnahmen kosten nichts und werden schnell zur Gewohnheit.
- Sitzplatz wählen: Setz dich in die Nähe des Zugpersonals oder in einen Wagen, in dem andere Reisende sitzen. Leere Waggons meidest du besser.
- Notrufsprechstelle merken: Schau beim Einsteigen, wo sich Sprechstelle und Nothahn befinden.
- Aufmerksam bleiben: Kopfhörer und Handy lenken ab. Auf einsamen Strecken hilft es, die Umgebung im Blick zu behalten.
- Weg planen: Auf dem Heimweg nachts lohnt es sich, Anschlüsse zu kennen, damit du nicht lange an einem leeren Bahnhof wartest.
Diese Regeln gelten für Bus und Straßenbahn genauso. Im Bus kannst du dich in die Nähe des Fahrers setzen, der im Notfall per Funk die Leitstelle erreicht. Weitere Tipps für späte Wege findest du unter alleine nachts unterwegs.
Die Notrufsprechstelle verbindet dich direkt mit dem Zugpersonal oder der Leitstelle.
Wenn es brenzlig wird
Fühlst du dich bedrängt, wechsle den Platz oder den Wagen, noch bevor etwas passiert. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der einfachste Weg aus einer Lage, die kippen kann. Sprich Mitreisende direkt an und bitte sie, bei dir zu bleiben.
Wird es ernst, hast du drei Wege, Hilfe zu holen.
- Die 110 wählen und Zugnummer, Wagen und nächsten Halt nennen.
- Die Notrufsprechstelle im Zug nutzen, um das Personal zu alarmieren.
- Am nächsten Halt aussteigen und dich an Sicherheitspersonal oder die Bundespolizei im Bahnhof wenden.
Beobachtest du, wie jemand anderes bedrängt wird, gelten die Regeln der Zivilcourage: helfen, ohne dich selbst in Gefahr zu bringen, und andere einbinden. Wie du einen Streit entschärfst, erklären unsere Tipps zur Deeskalation.
Notbremse und Notruf: wann was hilft
Die Notbremse ist für Gefahren gedacht, die nur durch einen sofortigen Halt abzuwenden sind. Bei einem Angriff im fahrenden Zug ist das selten die beste Wahl, weil der Zug dann womöglich auf freier Strecke oder im Tunnel steht und Hilfe schwerer hinkommt. In vielen Zügen verschiebt eine Notbremsüberbrückung den Halt deshalb bis zum nächsten sicheren Punkt. Besser ist oft die Sprechstelle, über die du direkt mit dem Personal sprichst.
Missbrauch hat Folgen. Wer absichtlich Notrufe oder Notzeichen missbraucht, macht sich nach § 145 StGB strafbar. Möglich sind eine Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft. In einer echten Notlage musst du dir darüber aber keine Gedanken machen.
Warum solltest du schnell melden?
Auf den Bahnhöfen der DB hängen inzwischen rund 11.000 Kameras an etwa 1.000 Stationen. Die Bundespolizei nutzt diese Technik für ihre Aufgaben. Die Aufnahmen dürfen laut Bundesdatenschutzbeauftragter je nach Bereich bis zu 30 Tage gespeichert werden.
Daraus folgt eine einfache Regel. Zeig einen Vorfall so schnell wie möglich an, damit die Bilder noch vorhanden sind. Diese Angaben erleichtern der Polizei die Suche erheblich.
- Datum und genaue Uhrzeit
- Bahnhof, Gleis oder Streckenabschnitt
- Zugnummer und Wagen, bei Bussen die Liniennummer
- Beschreibung der beteiligten Personen
- Namen und Telefonnummern von Zeugen
Auch das Personal braucht Schutz
Übergriffe treffen nicht nur Fahrgäste. 2025 zählte die DB konzernweit 3.262 körperliche Übergriffe auf ihre Mitarbeitenden, in zehn Jahren ein Anstieg um 37 Prozent. Rund die Hälfte betraf das Zugpersonal im Regionalverkehr.
Die Bahn stattet deshalb ihr Personal mit Kontakt zu Reisenden nach und nach mit Bodycams aus, deren Nutzung freiwillig ist. Für dich heißt das: Das Zugpersonal ist im Ernstfall deine erste Anlaufstelle, und es ist geschult, mit schwierigen Situationen umzugehen. Einen Überblick über Sicherheit auf Wegen, Plätzen und in Verkehrsmitteln gibt unsere Seite zur Sicherheit im öffentlichen Raum. Für dich selbst ist ein Taschenalarm ein einfaches Mittel, um im Wagen schnell Aufmerksamkeit zu erzeugen.
FAQ
Wen rufe ich im Zug an, die Polizei oder die Bahn?
Bei Gefahr immer die 110. Die Leitstelle gibt die Meldung an die Bundespolizei weiter. Zusätzlich kannst du über die Notrufsprechstelle das Zugpersonal alarmieren, das die nächste Station informiert.
Darf ich in der Bahn ein Messer oder Pfefferspray dabeihaben?
Waffen zum eigenen Schutz, auch Messer oder Pfefferspray, solltest du nach dem Rat der Polizei Berlin gar nicht erst mitnehmen. Als Alternative nennt sie den Schrillalarm, der Aufmerksamkeit erzeugt, ohne jemanden zu verletzen.
Werden Züge und Bahnhöfe überall videoüberwacht?
An rund 1.000 Bahnhöfen der DB hängen Kameras. In den Zügen des Nahverkehrs hängt es vom Verkehrsvertrag des jeweiligen Bundeslandes ab, ob und wie viele Kameras eingebaut sind.
Was mache ich, wenn mich jemand auf dem Bahnsteig verfolgt?
Geh dorthin, wo Menschen oder Personal sind, etwa zum Servicepoint oder in einen belebten Bereich, und ruf die 110 an. Steig nicht in einen leeren Wagen, wenn die Person mit einsteigt.