Schockanruf und Enkeltrick: So erkennst du die Masche

Schockanruf, Enkeltrick, falsche Polizisten: Wie Callcenter-Betrüger Druck aufbauen, warum die 110 im Display nichts beweist und wie du richtig reagierst.

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Ältere Person hält einen Telefonhörer, auf dem Tisch liegen eine Brille und ein offenes Adressbuch

Wichtig! Echte Polizeibeamte fordern niemals Geld am Telefon. Die 110 im Display beweist nicht, dass die Polizei anruft.

  1. Leg auf und ruf die angeblich betroffene Person unter der bekannten Nummer an
  2. Nutze nicht die Rückruftaste, sondern wähle die 110 selbst
  3. Ist schon Geld übergeben, sofort die 110 anrufen

110 im Telefondisplay beweist nicht, dass die Polizei anruft. Betrüger nutzen laut Polizei Bayern eine Technik, die die Notrufnummer oder eine echte örtliche Nummer anzeigt. Beim Schockanruf, beim Enkeltrick und bei falschen Polizisten gilt deshalb dieselbe Regel: Echte Polizeibeamte fordern niemals Geld am Telefon. Leg auf und ruf die angeblich betroffene Person unter der Nummer an, die du selbst kennst.

Drei Maschen, ein Prinzip

Die Maschen unterscheiden sich in der Geschichte, nicht im Ziel. Immer soll Geld oder Schmuck den Besitzer wechseln, bevor jemand nachdenkt.

MascheWer angeblich anruftTypischer Vorwand
EnkeltrickEnkel, Nichte, alter Bekannter„Rate mal, wer dran ist”, dringende Geldnot
Schockanrufweinende Tochter, Polizist, Staatsanwalt, AnwaltUnfall mit Verletzten, Kaution oder teure Operation
Falscher PolizistKriminalpolizei, BehördeEinbrecher in der Nähe, Wertsachen sollen „sicher verwahrt” werden

Die Polizeiliche Kriminalprävention warnt, dass die Täter die Maschen zunehmend kombinieren. Erst weint die angebliche Tochter, dann übernimmt ein angeblicher Polizist das Gespräch und erklärt, wie die Kaution übergeben wird.

Wie die Täter Druck aufbauen

Der Ablauf folgt einem Drehbuch, das die Polizei Bayern in drei Phasen beschreibt.

  1. Kontaktaufnahme: Der Anruf trifft dich unvorbereitet. Nebenbei fragen die Täter Namen von Angehörigen und die Vermögenslage ab. Wer sagt „Bist du es, Thomas?”, liefert den Namen gleich mit.
  2. Stress: Unfall, Einbruch oder drohende Verhaftung, und angeblich hängt alles allein von dir ab. Opfer werden oft stundenlang am Telefon gehalten, mit sinnlosen Aufgaben beschäftigt und zum Schweigen verpflichtet. Fragt die Bank nach, sollen sie eine vorher eingeübte Geschichte erzählen.
  3. Handlung: Sobald du zahlen willst, geht es schnell. Ein angeblicher Kurier einer Behörde kommt zur Wohnung, oder du wirst zu einem Übergabeort gelotst. Auflegen darfst du auch dann nicht.

Ist das Geld übergeben, endet das Gespräch meist abrupt. Manchmal schicken die Täter ihre Opfer noch zu weiteren Orten oder versprechen, das Geld liege später bei der Polizei zur Abholung bereit. Die ProPK hält dagegen fest, dass die Behandlung eines Unfallopfers niemals von einer vorherigen Zahlung abhängt.

Hinter den Anrufen: organisierte Callcenter

Die Anrufe kommen nicht von Einzeltätern. Laut Polizei Bayern sitzen viele Callcenter in der Türkei oder in Osteuropa, und die Banden arbeiten mit fester Aufgabenteilung.

  • Keiler führen das Einstiegsgespräch und fordern das Geld.
  • Abschließer übernehmen das Telefonat, wenn es ernst wird.
  • Logistiker organisieren aus dem Callcenter heraus die Abholung in den einzelnen Städten.
  • Abholer nehmen die Beute an der Haustür entgegen und sind die unterste Ebene.

Die Abholer sind zugleich die Schwachstelle der Banden, weil sie vor Ort erscheinen müssen. Genau deshalb lohnt sich der sofortige Anruf bei der 110, auch wenn das Geld schon übergeben ist.

Wen die Täter anrufen

Die Opfer sind laut Polizei Bayern meist älter als 50 Jahre, Frauen und Männer gleichermaßen. Häufig tragen sie traditionell klingende oder seltene Vornamen, und viele leben allein. Solche Vornamen lassen auf ein höheres Alter schließen.

Das heißt nicht, dass nur Ältere betroffen sind. Wer unter Schock steht, entscheidet in jedem Alter schlecht. Am besten schützt ein ruhiges Gespräch in der Familie, bevor etwas passiert: Wie klingen solche Anrufe, und wen ruft man an, wenn man unsicher ist? Dieselbe Vorsicht gilt an der Haustür, denn Selbstverteidigung im Alter heißt vor allem Vorbeugung, weil ein Sturz oder Gerangel im Alter schnell schwere Folgen hat.

So reagierst du richtig

Die Empfehlungen der ProPK passen auf einen Zettel neben dem Telefon.

  1. Leg auf, sobald du dich unter Druck gesetzt fühlst. Unhöflich ist das nicht.
  2. Wähle bei Unsicherheit selbst die 110. Nutze nicht die Rückruftaste, denn damit landest du wieder bei den Tätern.
  3. Ruf den Angehörigen unter der Nummer an, die du kennst.
  4. Sprich am Telefon nie über persönliche oder finanzielle Verhältnisse.
  5. Übergib niemals Geld oder Wertsachen an Unbekannte, und hol eine Vertrauensperson dazu.

Handgeschriebener Zettel neben einem Festnetztelefon, darauf nur Symbole für Telefon und Haus Ein Zettel am Telefon erinnert im Schreckmoment an die wichtigste Regel: auflegen und selbst anrufen.

Falsche Polizisten erzählen oft von Einbrüchen in der Nachbarschaft und bieten an, Wertsachen „in Sicherheit” zu bringen. Echte Polizeibeamte fordern kein Geld am Telefon, und Wertsachen gibst du nie an Unbekannte. Wie du dein Zuhause wirklich schützt, erklären unsere Tipps zum Einbruchschutz.

Was tun, wenn schon Geld übergeben wurde?

Ruf sofort die 110 an, auch wenn es peinlich erscheint. Je schneller die Polizei die Beschreibung des Abholers hat, desto eher kann sie ihn fassen. Notiere, was du noch weißt, etwa Uhrzeit, Aussehen, Fahrzeug und was am Telefon gesagt wurde. Beim Notruf unter der 110 fragt die Leitstelle alles Wichtige gezielt ab, du musst dir also keine Formel merken.

Die Täter machen sich wegen Betrugs strafbar. Nach § 263 StGB liegt die Strafe bei bis zu fünf Jahren, bei gewerbs- oder bandenmäßigem Vorgehen in der Regel zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Scham ist fehl am Platz, die Anrufe sind professionell gemacht. Wie du nach einem solchen Erlebnis wieder Sicherheit gewinnst, beschreibt unsere Seite zur persönlichen Sicherheit.

FAQ

Ruft die Polizei jemals unter der 110 an?

Die angezeigte Nummer ist kein Beweis. Die Polizei Bayern betont, dass die Nummer im Display nur einen Anhaltspunkt liefert und keine sichere Identifikation ist. Leg im Zweifel auf und wähle die 110 selbst.

Was ist, wenn tatsächlich ein Unfall passiert ist?

Dann erfährst du es auch, wenn du auflegst und die Person oder ihre Familie unter bekannter Nummer anrufst. Die Behandlung eines Unfallopfers hängt laut Polizei niemals von einer vorherigen Zahlung ab.

Kommt der Betrug auch per Messenger vor?

Ja. Das Polizeipräsidium Mittelfranken beschreibt Nachrichten per WhatsApp oder SMS, in denen ein Verwandter angeblich eine neue Nummer hat und kurz darauf um Geld bittet. Speichere die neue Nummer nicht gleich ab, sondern frag unter der alten, bekannten Nummer nach.

Wo bekomme ich nach einem Betrug Unterstützung?

Neben der Polizei hilft das Opfer-Telefon des Weissen Rings unter 116 006 bundesweit, kostenfrei und anonym, täglich von 7 bis 22 Uhr. Dort bekommst du auch Rat, wie du mit der Scham umgehst, die viele Betroffene erleben.

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