Wichtig! Das Bujinkan lehrt neun japanische Schulen, nur drei davon gelten als Ninja-Schulen.
- Masaaki Hatsumi übernahm 1972 die Nachfolge von Toshitsugu Takamatsu
- Genbukan (1984) und Jinenkan (1996) gründeten frühere Schüler Hatsumis
- Nach der ersten Prüfung tragen Frauen einen roten, Männer einen grünen Gürtel
Das Bujinkan ist eine weltweit verbreitete japanische Kampfkunst-Organisation, in der Ninjutsu unterrichtet wird, auch wenn der Name Ninja darin eine kleinere Rolle spielt, als viele erwarten. Gegründet hat es Masaaki Hatsumi, der 1972 die Nachfolge seines Lehrers Toshitsugu Takamatsu antrat. Das Bujinkan lehrt neun traditionelle Schulen, von denen nur drei als Ninja-Schulen gelten. Die zwei anderen bekannten Linien, Genbukan und Jinenkan, gründeten ehemalige Schüler Hatsumis in den 1980er und 1990er Jahren.
Vom historischen Ninja zum modernen Dojo
Mit dem Bild aus Filmen, schwarz gekleidete Kämpfer mit Wurfsternen, hat das Training wenig zu tun. Laut Wikipedia entstanden die ersten Schulen, die heute dem Ninjutsu zugerechnet werden, nicht vor dem 13. bis 15. Jahrhundert. Die Ninja selbst nannten sich nicht so, sie verstanden sich als Praktiker religiöser, politischer und militärischer Strategien.
Zur Überlieferung gehörte mehr als Kampf. Heilkunde, lautlose Bewegung, Tarnung und das Verbergen gehörten ebenso zum Wissen. Erhalten sind vor allem drei Schriften aus dem 17. Jahrhundert, das Shōninki, das Bansenshūkai und das Ninpiden. Vieles andere wurde mündlich weitergegeben, was den Mythos bis heute nährt.
Bujinkan: neun Schulen unter einem Dach
Takamatsu war Großmeister von neun japanischen Kampfkunstschulen und ernannte Hatsumi kurz vor seinem Tod 1972 zum Nachfolger. Weil die Techniken der Schulen so vielfältig waren, entschied sich Hatsumi laut Wikipedia, sie nicht getrennt, sondern als Einheit zu lehren. Den Namen wählte er zu Ehren seines Lehrers, der nach seinem Tod Bujin genannt wurde, göttlicher Krieger.
Der vollständige Name lautet Bujinkan Budō Taijutsu. Sechs der neun Schulen waren Samurai-Schulen, drei gelten als Ninja-Schulen. Die Bezeichnung Ninjutsu wird im Bujinkan deshalb eher zurückhaltend verwendet, um Klischees zu vermeiden. Die Kampfkunst der Samurai umfasste Schwert, Speer, Bogen und waffenlosen Kampf, und dieses breite Erbe steckt auch in den Samurai-Schulen des Bujinkan.
Neben Kampftechniken vermittelt das Bujinkan auch Einblicke in traditionelle Medizin und Philosophie. Die Zugehörigkeit wird über direkten Kontakt gepflegt, viele Lehrer reisen regelmäßig zum Training nach Japan. Das erklärt, warum sich Dojos derselben Organisation in Stil und Schwerpunkt deutlich unterscheiden können.
Die neun Schulen des Bujinkan
Die Schulen unterscheiden sich in Herkunft und Schwerpunkt. Eine Auswahl zeigt, wie breit das Spektrum ist.
| Schule | Übersetzung | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Togakure Ryū | Schule der verborgenen Tür | Infiltration, gilt als Ninja-Schule |
| Kumogakure Ryū | Schule der verborgenen Wolke | Ninja-Schule, Arbeit mit dem Speer |
| Gyokushin Ryū | Schule des juwelengeschmückten Herzens | Ninja-Schule, Schläge und Tritte |
| Gyokko Ryū | Schule des juwelengeschmückten Tigers | Kosshi Jutsu, Arbeit an Muskeln und Sehnen |
| Koto Ryū | den Tiger niederschlagende Schule | Koppo Jutsu, harte Schlagtechniken |
| Shinden Fudo Ryū | Schule des unbewegten Herzens | natürliche Bewegung, Samurai-Schule |
| Kukishinden Ryū | Schule der neun Dämonengötter | Waffen wie Bō, Jō, Naginata |
Im Training wechseln Waffen und waffenlose Arbeit. Neben Holzstäben verschiedener Länge gehören Übungsschwerter, Fächer, Seile und Ketten zum Repertoire. In vielen Dojos steht für Anfänger aber das Taijutsu im Mittelpunkt, die Körperarbeit mit Fallen, Rollen, Ausweichen und Hebeln.
Genbukan und Jinenkan: die Abzweigungen
Nicht alle Schüler Hatsumis blieben im Bujinkan. Die englische Wikipedia nennt die wichtigsten Abzweigungen.
- Genbukan: 1984 in Japan von Shoto Tanemura gegründet, einem früheren Freund und Schüler Hatsumis.
- Jinenkan: 1996 von Fumio Manaka gegründet, der bei Hatsumi in mehreren Schulen die höchste Lehrbefugnis erreicht hatte.
- To-Shin Do: der eigene Stil des US-Amerikaners Stephen K. Hayes, der zuerst bei Tanemura und dann bei Hatsumi lernte.
Die Programme ähneln sich in den Wurzeln, unterscheiden sich aber in Organisation, Prüfungen und Gewichtung. Wer von einem Verband zum anderen wechselt, fängt nicht zwangsläufig von vorn an, muss aber mit einer neuen Einstufung rechnen.
Bō, Jō und Hanbō: Stöcke verschiedener Länge gehören zum Waffentraining der Bujinkan-Schulen.
Graduierung: wenige Farben, viele Grade
Das Bujinkan kennt 10 Schülergrade und 15 Meistergrade. Anders als in vielen Kampfkünsten zeigt die Gürtelfarbe dabei kaum etwas an.
- Anfänger tragen einen weißen Gürtel.
- Nach der ersten Prüfung tragen Frauen einen roten, Männer einen grünen Gürtel.
- Ab dem 1. Dan ist der Gürtel schwarz.
- Die genaue Stufe zeigt ein Abzeichen, das Bujin-Aufnäher, mit Sternen in unterschiedlichen Farben.
Im Bujinkan heißt es oft, die eigentliche Lernzeit beginne erst mit dem 15. Dan. Das zeigt, wie wenig die Grade als Endpunkt gedacht sind.
Zusätzlich gibt es Lehrtitel. Der Shidōshi-hō berechtigt neben dem 1. bis 4. Dan zum Unterrichten, der Shidōshi ab dem 5. Dan. Wer ein Dojo leiten will, braucht einen dieser Titel.
Woran erkennst du ein seriöses Dojo?
Beim Ninjutsu gibt es besonders viele Angebote, die mit dem Mythos werben. Frag beim Probetraining nach, zu welcher Organisation das Dojo gehört und welchen Grad und Titel der Lehrer hat. Ein seriöser Lehrer kann dir beides nennen und zeigt dir die Urkunde.
Achte außerdem darauf, wie sorgfältig Fallschule und Aufwärmen sind. Wer gleich am ersten Abend mit Wurfsternen oder spektakulären Techniken lockt, setzt andere Prioritäten als ein Lehrer, der Grundlagen ernst nimmt. Mehr zu Techniken und Training allgemein findest du auf unserer Seite zum Ninjutsu. Verwandte Wurzeln haben die japanischen Selbstverteidigungssysteme.
FAQ
Ist Bujinkan dasselbe wie Ninjutsu?
Nicht ganz. Das Bujinkan vereint neun Schulen, von denen nur drei als Ninja-Schulen gelten. Umgangssprachlich wird es trotzdem oft als Ninjutsu bezeichnet, weil es die bekannteste Organisation mit Ninja-Traditionen ist.
Warum tragen Männer und Frauen unterschiedliche Gürtel?
Das ist eine Eigenheit des Bujinkan. Nach der ersten Prüfung tragen Frauen Rot und Männer Grün, bis zum 1. Dan. Einige Dojos nutzen für Kindergruppen zusätzlich gelbe und orangefarbene Gürtel.
Wer war der erste Nicht-Japaner im Bujinkan?
Laut Wikipedia begann der Israeli Doron Navon 1969 in Japan mit dem Training und brachte die Kunst 1974 nach Israel. Später verbreitete unter anderem Stephen K. Hayes das Wissen über Ninjutsu in den USA.
Wer führt das Bujinkan heute?
Oberhaupt, auf Japanisch Sōke, ist Masaaki Hatsumi. Um seinen 88. Geburtstag im Dezember 2019 hat er für die einzelnen Schulen Nachfolger ernannt, für die Togakure Ryū zum Beispiel Tsutsui Takumi.