Wichtig! Krav Maga verbindet Abwehr und Gegenangriff möglichst in einer Bewegung. Die Grenze setzt für Zivilisten das Notwehrrecht.
- Die 360-Grad-Abwehr ist eine typische Grundtechnik gegen Schläge von außen
- Trainiert wird unter Stress, Wettkämpfe gibt es nicht
- Die Level heißen Practitioner, Graduate und Expert
Krav Maga heißt auf Hebräisch Kontaktkampf und ist ein israelisches Selbstverteidigungssystem, das Schläge und Tritte mit Griffen, Hebeln und Bodenkampf verbindet. Die Krav-Maga-Techniken folgen einem Grundgedanken: Abwehr und Gegenangriff passieren möglichst gleichzeitig. Für Polizei und Zivilisten wurde das System an das Notwehrrecht angepasst, und genau dort liegt bis heute die Grenze dessen, was du anwenden darfst.
Woher die Techniken kommen
Imrich Lichtenfeld wurde laut Wikipedia 1910 in Budapest geboren und wuchs in Bratislava auf. Von seinem Vater, einem Polizisten, lernte er Jiu-Jitsu, später war er als Boxer und Ringer erfolgreich. Aus diesen drei Sportarten entwickelte er erste eigene Techniken, die er nach seiner Flucht 1940 in Palästina im Nahkampfunterricht weitergab. Nach der Gründung Israels 1948 wurde er Nahkampfausbilder der israelischen Armee.
Erst danach entstand die zivile Form. Lichtenfeld passte das militärische System für Polizei und Zivilisten an und richtete die Techniken dabei am Notwehrrecht aus. Diese doppelte Herkunft erklärt, warum manche Kurse sehr defensiv und andere auffallend hart wirken.
Die Prinzipien hinter den Techniken
Krav Maga versteht sich weniger als Katalog fester Techniken, sondern als System von Prinzipien. Laut der englischen Wikipedia lernen Schüler, sich gegen viele Angriffsarten zu verteidigen und effizient zu kontern. Die wichtigsten Ideen lassen sich knapp zusammenfassen.
- Gleichzeitig abwehren und angreifen, statt erst zu blocken und dann zu reagieren.
- Einfache, leicht wiederholbare Schläge, die auch unter Stress funktionieren.
- Die Umgebung im Blick behalten, auch während einer Auseinandersetzung.
- Einen Konflikt vermeiden, wo es möglich ist, und ihn schnell beenden, wo es nicht geht.
- Auf natürliche Reflexe aufbauen und sie gezielt schulen.
Die Grundhaltung spiegelt das wider. Die Hände bleiben in Kinnhöhe, damit sie jederzeit abwehren oder zurückschlagen können, ohne erst angehoben werden zu müssen.
Die wichtigsten Technikgruppen
Lichtenfeld übernahm, was in anderen Kampfsportarten funktionierte. Die deutsche Wikipedia nennt eine lange Liste von Techniken und Methoden, die sich in Gruppen ordnen lassen.
| Gruppe | Beispiele |
|---|---|
| Schlagtechniken | Faust, Handballen, Hammerschlag, Ellbogen |
| Beintechniken | Tritte, Knie |
| Abwehren | 360-Grad-Abwehr, Innenabwehr |
| Befreiungen | aus Griffen, Umklammerungen und Würgern |
| Waffenabwehr | Entwaffnen eines Gegners |
| Griffe und Bodenkampf | Hebel, Kontrolle am Boden |
Zum Programm gehören auch der Einsatz von Alltagsgegenständen zur Abwehr und Dinge, die mit Technik im engeren Sinn wenig zu tun haben, etwa verbale Deeskalation, Rollenspiele und Bewegungslehre. Wer einen guten Kurs besucht, verbringt einen Teil der Zeit damit, Konflikte gar nicht erst körperlich werden zu lassen. Beim Messer gilt das besonders, denn beim Verhalten bei einem Messerangriff zählen Abstand und Flucht mehr als jede Abwehrtechnik.
Die 360-Grad-Abwehr als Beispiel
Die 360-Grad-Abwehr ist eine typische Grundtechnik und zeigt die Denkweise gut. Gedacht ist sie gegen Schläge, die von außen in einem Bogen kommen, etwa einen Schwinger zum Kopf oder einen Schlag von oben. Der Unterarm wird dem Angriff entgegengestellt, je nach Richtung in einem anderen Winkel, sodass um den Körper herum ein geschlossener Kreis von Abwehrpositionen entsteht.
Entscheidend ist, was danach kommt. Im Krav Maga kontert die freie Hand im selben Moment, in dem der Unterarm abwehrt. Genau das unterscheidet das System von Stilen, in denen Block und Gegenangriff nacheinander geübt werden.
Abwehr mit dem Arm dicht am Kopf: Aus dieser Position arbeitet auch die 360-Grad-Abwehr.
So wird trainiert
Weil Krav Maga für den Ernstfall gedacht ist, spielt Stress im Training eine große Rolle. Neben dem Techniktraining gehören diese Formen zum Unterricht.
- Stressdrills, bei denen du erschöpft oder abgelenkt reagieren musst
- Situationstraining in nachgestellten Alltagslagen, etwa im Treppenhaus oder in der Bahn
- Mugging-Training gegen einen Angreifer im Vollkontaktschutzanzug
- Sparring und langsame Kämpfe, die Slow-Fights
Das unterscheidet Krav Maga vom Formenlauf im Karate oder Taekwondo. Wettkämpfe gibt es nicht, geprüft wird dein Können in Level-Prüfungen. Wie sich das System vom Wettkampfsport MMA unterscheidet, zeigt unser Vergleich Krav Maga und MMA.
Practitioner, Graduate, Expert: die Level
Auch ohne Wettkämpfe hat Krav Maga ein Graduierungssystem. Die großen Verbände teilen es in drei Stufen, denen häufig Gurtfarben zugeordnet werden.
- Practitioner: Einsteigerstufen, Gurtfarben von Weiß über Gelb und Orange bis Grün
- Graduate: fortgeschrittene Stufen, von Grün über Blau bis Braun
- Expert: Schwarz, die Stufe der Experten und Ausbilder
Welcher Verband hinter deinem Studio steht, beeinflusst Programm und Prüfungen. Nach Lichtenfelds Tod 1998 entstanden mehrere Organisationen, darunter die International Krav Maga Federation und Krav Maga Global, die sich in Auswahl der Techniken und Trainingsmethoden teils unterscheiden.
Wie weit darf eine Technik gehen?
Krav Maga stammt aus dem militärischen Nahkampf, und manche Techniken zielen auf schwere Verletzungen. Für Zivilisten gilt aber das Strafrecht. Nach § 32 StGB ist nur die Verteidigung erlaubt, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff abzuwehren. Stehen dir mehrere gleich wirksame Mittel offen, musst du das mildere wählen.
Für das Training heißt das: Lerne die Techniken, aber auch, wann du aufhörst. Ein Angreifer, der am Boden liegt und nicht mehr angreift, darf nicht weiter geschlagen werden. Die Einzelheiten erklären unsere Beiträge zu Notwehr nach § 32 und zu den Grenzen der Selbstverteidigung. Einen Überblick über das System gibt unsere Seite zum Krav Maga. Das Lösen aus Griffen vertieft der Beitrag zu Befreiungstechniken.
FAQ
Kann ich Krav Maga ohne Vorkenntnisse lernen?
Ja. Das System wurde ursprünglich so angelegt, dass es sich Rekruten schnell beibringen ließ. Die Grundtechniken sind einfach, anspruchsvoll wird es durch das Training unter Stress.
Gibt es im Krav Maga Wettkämpfe?
Nein. Krav Maga ist ein Selbstverteidigungssystem ohne Turniere. Dein Fortschritt zeigt sich in Level-Prüfungen des jeweiligen Verbands.
Welche Technik lerne ich im ersten Monat?
In vielen Studios gehören Grundhaltung, gerade Schläge, die 360-Grad-Abwehr und erste Befreiungen aus Griffen zum Einstieg. Die genaue Reihenfolge legt das Programm des Verbands fest.
Ist Krav Maga für Frauen geeignet?
Ja, weil es auf einfache Techniken und natürliche Reflexe setzt, die kaum Kraft erfordern. Viele Studios bieten eigene Kurse für Frauen an.