Befreiungstechniken: Aus Griffen lösen und weg

Befreiungstechniken erklärt: nach welchen Prinzipien du dich aus Handgelenk-, Kleider- und Umklammerungsgriffen löst, warum Flucht das Ziel ist und wo du sie lernst.

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Zwei Personen im Trainingsanzug knien auf der Matte und üben einen Griff ans Handgelenk

Wichtig! Befreiungstechniken sollen dich aus einem Griff lösen, damit du wegkommst. Besiegen musst du niemanden.

  1. Ein Handgelenkgriff ist dort am schwächsten, wo Daumen und Finger zusammenkommen
  2. Laut Polizei lassen Täter oft ab, wenn sich das Opfer aktiv wehrt
  3. Sicher abrufbar werden Techniken nur durch langes Üben

Befreiungstechniken sind Bewegungen, mit denen du dich aus einem Griff löst, etwa am Handgelenk, an der Kleidung oder aus einer Umklammerung. Ihr Ziel ist nie, den Angreifer zu besiegen. Du willst Raum gewinnen und wegkommen. Die meisten funktionieren nach wenigen einfachen Prinzipien, die du in einem guten Kurs lernen kannst. Dort übst du sie so lange, bis sie auch unter Stress abrufbar sind.

Was Befreiungstechniken leisten

Viele Angriffe beginnen mit einem Griff. Jemand hält dich am Arm fest, zieht an der Jacke oder packt dich von hinten. Wer in diesem Moment weiß, wie man sich löst, gewinnt die entscheidenden Sekunden zur Flucht.

Gegenwehr lohnt sich. Die Polizeiliche Kriminalprävention schreibt, dass Täter in vielen Fällen von ihrem Opfer ablassen, wenn es sich aktiv schützt. Auf ihrer Seite zur Selbstbehauptung heißt es sogar, dass mit viel Gegenwehr neun von zehn Frauen den Täter zur Aufgabe bewegen konnten.

Fünf Grundprinzipien

Die einzelnen Techniken unterscheiden sich je nach System. Die Grundgedanken dahinter sind überall ähnlich. Im Krav Maga etwa zählen Befreiungen aus Griffen, Umklammerungen und Würgegriffen zu den grundlegenden Krav-Maga-Techniken.

  1. Laut werden. Schreien alarmiert andere und irritiert den Angreifer. Die Polizei rät ausdrücklich, andere auf den Übergriff aufmerksam zu machen.
  2. Gegen die schwache Stelle arbeiten. Ein Griff um das Handgelenk ist dort am schwächsten, wo Daumen und Finger zusammenkommen.
  3. Den ganzen Körper einsetzen. Dreh dich aus der Hüfte, statt nur mit dem Arm zu ziehen.
  4. Überraschen. Eine schnelle, entschlossene Bewegung wirkt mehr als langsames Ziehen.
  5. Sofort weg. Nach der Befreiung sofort Abstand gewinnen und Hilfe suchen.

Kraft spielt dabei eine kleinere Rolle, als viele denken. Wer versucht, einen stärkeren Gegner mit bloßer Armkraft wegzudrücken, verliert. Wer Hebel und Körpergewicht nutzt, hat eine echte Chance. Auch wer sich als Mann auf seine Kraft verlässt, ist damit nicht automatisch sicher, denn bei der Selbstverteidigung als Mann ersetzt Kraft weder Technik noch Übung unter Stress.

Typische Griffe und die Antwort darauf

Die folgende Übersicht zeigt das Prinzip hinter häufigen Befreiungen. Ein Training ersetzt sie nicht, aber du erkennst damit, worauf ein guter Kurs achten sollte.

GriffPrinzip der Befreiung
Handgelenk, eine HandArm Richtung Daumen des Angreifers drehen und ruckartig herausziehen
Handgelenk, beide Händeeigene freie Hand zu Hilfe nehmen, Arm gemeinsam zur Lücke herausreißen
Kleidung vorne gepacktAbstand verringern, Arm des Angreifers wegdrücken, seitlich abdrehen
Haare gepacktHand des Angreifers auf den Kopf pressen, damit der Zug nachlässt, dann abdrehen
Umklammerung von vornGewicht absenken, Raum zwischen den Körpern schaffen, dann lösen

Nahaufnahme einer Hand, die ein Handgelenk umfasst, der gehaltene Arm dreht sich aus dem Griff Die Lücke zwischen Daumen und Fingern ist beim Handgelenkgriff der Weg nach draußen.

Umklammerung von hinten

Ein Angriff von hinten ist besonders beängstigend, weil du ihn nicht kommen siehst. Die meisten Kurse üben hier zuerst, das Körpergewicht abzusenken, damit der Angreifer dich nicht anheben kann. Danach geht es darum, mit Ellbogen, Ferse oder Kopf Raum zu schaffen und dich herauszudrehen.

Die Polizei empfiehlt für besonders bedrohliche Lagen, sich konsequent zu wehren und dabei gezielt zum Gesicht zu schlagen oder gegen Schienbein und Knie zu treten. Auch Handtasche, Schlüsselbund oder ein Stuhl dürfen zur Abwehr dienen.

Wie du Befreiungstechniken lernst

Ein Video reicht nicht. Die Polizei betont, dass alle körperlichen Techniken lange geübt werden sollten, damit sie in einer bedrohlichen Situation sicher funktionieren. Unter Stress greifst du nur auf das zurück, was du oft wiederholt hast.

  • Übe mit einem Partner, der erst langsam und dann mit mehr Widerstand greift.
  • Trainiere beide Seiten, weil ein Angriff nicht immer von rechts kommt.
  • Achte auf Kurse, die auch Selbstbehauptung und Konflikte mit Bekannten behandeln.
  • Meide Anbieter, die mit Angst und steigender Kriminalität werben, denn das ist laut Polizei häufig eine unseriöse Werbestrategie.

Welche Kursform zu dir passt, zeigt unser Vergleich Selbstverteidigungskurs oder Kampfsport. Speziell für Frauen gibt es einen eigenen Beitrag zum Selbstverteidigungstraining.

Rechtlicher Rahmen

Dich aus einem Griff zu befreien, ist in aller Regel unproblematisch. Nach § 32 StGB ist Notwehr die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff abzuwenden. Befreiungstechniken zielen genau darauf, den Angriff zu beenden und zu fliehen.

Anders sieht es aus, wenn du nach der Befreiung weiter auf einen fliehenden oder am Boden liegenden Angreifer einwirkst. Dann ist der Angriff vorbei, und Notwehr greift nicht mehr. Welche vier Voraussetzungen eine Notwehr erfüllen muss, steht in unserem Beitrag zu § 32 StGB, und wie Befreiungen in größere Systeme eingebettet sind, zeigt die Übersicht der Selbstverteidigungstechniken.

FAQ

Funktionieren Befreiungstechniken auch gegen deutlich Stärkere?

Deine Chancen steigen, eine Garantie gibt es nicht. Je größer der Kraftunterschied, desto wichtiger werden Überraschung, Lautstärke und die sofortige Flucht.

Ab welchem Alter kann man Befreiungstechniken lernen?

Einfache Befreiungen aus dem Handgelenkgriff lernen schon Grundschulkinder in Selbstbehauptungskursen. Wichtig ist, dass das Training altersgerecht ist und auch das Neinsagen übt.

Wie oft muss ich üben?

Regelmäßig. Ein einmaliger Workshop gibt einen Eindruck, sicher abrufbar werden die Bewegungen erst durch Wiederholung über Wochen und Monate.

Was, wenn die Befreiung nicht klappt?

Bleib laut und versuch es weiter, mit einer anderen Bewegung oder einem Gegenstand. Die Polizei rät, alles Greifbare zur Abwehr einzusetzen.

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