Wichtig! Acht Taegeuk-Formen begleiten dich bis zum schwarzen Gürtel, danach folgen neun Meisterformen.
- Bei der DTU läufst du die 1. Form zum 7. Kup und Taegeuk Pal Jang zum 1. Dan
- Ab dem 4. Dan verlangt die Prüfung jeweils zwei Meisterformen
- Poomsae sind eine eigene Wettkampfdisziplin mit Weltmeisterschaften
8 Grundformen begleiten dich im Taekwondo vom gelben bis zum schwarzen Gürtel, danach folgen neun Meisterformen bis zum 9. Dan. Eine Taekwondo-Poomsae ist eine festgelegte Folge von Blöcken, Schlägen und Tritten gegen gedachte Gegner. Tanz ist das trotzdem nicht. Jede Bewegung steht für eine Technik, und in den höheren Prüfungen zeigst du mit Partnern, wie sie im Ernstfall wirkt.
Was eine Poomsae ist
Der Begriff Pumsae oder Poomsae bezeichnet im Taekwondo den Formenlauf. Du bewegst dich auf einem festgelegten Schrittmuster durch den Raum, wechselst Stellungen und führst die Techniken in vorgegebener Reihenfolge aus. Karate kennt dasselbe Prinzip als Kata, das ITF-Taekwon-Do als Tul.
Laut Wikipedia fasst der Oberbegriff drei Gruppen zusammen.
- Taegeuk: die acht Grundformen, die heute in den meisten Schulen nach World-Taekwondo-Stil gelaufen werden.
- Palgwe: eine ältere Reihe mit ebenfalls acht Formen, die einige Schulen weiter pflegen.
- Yudanja: die neun Meisterformen ab dem 1. Dan, jede mit eigenem Namen.
Die Grundformen tragen keine eigenen Namen. Il Jang, Ee Jang bis Pal Jang heißt schlicht erste, zweite bis achte Form in sinokoreanischer Zählung.
Taegeuk 1 bis 8: Symbole und Grade
Jede Taegeuk-Form ist einem der acht Trigramme zugeordnet, den Zeichen aus drei Linien, von denen vier auch auf der koreanischen Flagge stehen. Die Symbolik gibt der Form ihren Charakter. Wie die Formen den Graden der DTU zugeordnet sind, steht in der Prüfungsordnung der Deutschen Taekwondo Union.
| Form | Symbol | Geprüft zum (DTU) |
|---|---|---|
| Taegeuk Il Jang | Himmel und Licht | 7. Kup |
| Taegeuk Ee Jang | See | 6. Kup |
| Taegeuk Sam Jang | Feuer | 5. Kup |
| Taegeuk Sa Jang | Donner | 4. Kup |
| Taegeuk Oh Jang | Wind | 3. Kup |
| Taegeuk Yuk Jang | Wasser | 2. Kup |
| Taegeuk Chil Jang | Berg | 1. Kup |
| Taegeuk Pal Jang | Erde | 1. Poom oder 1. Dan |
Die DTU spricht in ihren Programmen von der 1. bis 7. Form, die Taegeuk-Reihe ist darin der Regelfall. Andere Verbände ordnen die Formen einen Grad früher zu. In der englischen Übersicht steht Il Jang beim 8. Gup. Frag deshalb im Verein nach, welche Form deine nächste Prüfung verlangt.
Die Reihe baut aufeinander auf. Il Jang bringt Vorwärts- und Gehstellung, tiefen und mittleren Block und den Vorwärtstritt. Später kommen Messerhand, Seitwärtstritt, Rückwärtsstellung und in Chil Jang die Tigerstellung dazu.
Meisterformen ab dem 1. Dan
Mit der Prüfung zum 1. Poom oder 1. Dan läufst du Pal Jang, danach beginnt die Reihe der Yudanja. Ab dem 4. Dan verlangt die DTU jeweils zwei Formen. Eine davon ist immer die neue Form des vorigen Grades, die damit ein zweites Mal geprüft wird.
| Grad | Pflichtform laut DTU | Mindestzeit seit letzter Graduierung |
|---|---|---|
| 2. Dan | Koryeo | 1 Jahr |
| 3. Dan | Kumgang | 2 Jahre |
| 4. Dan | Taebaek und Pyeongwon | 3 Jahre |
| 5. Dan | Pyeongwon und Sipjin | 4 Jahre |
| 6. Dan | Sipjin und Jitae | 5 Jahre |
| 7. Dan | Jitae und Cheonkwon | 6 Jahre |
| 8. Dan | Cheonkwon und Hansu | 7 Jahre |
| 9. Dan | Hansu und Ilyeo | 8 Jahre |
Addiert man die Mindestzeiten, liegen zwischen dem 1. und dem 9. Dan mindestens 36 Jahre. Die Meisterformen begleiten also ein ganzes Sportlerleben, und kaum jemand lernt alle neun.
Zu jeder Dan-Prüfung gehört zusätzlich eine Form aus dem Vorprogramm. Bis zum 3. Dan wird sie ausgelost, ab dem 4. Dan wählst du sie selbst.
Poomsae in der Gürtelprüfung
Bis zum 1. Kup läufst du die neue Form im Basisprogramm, die älteren prüft der Prüfer stichprobenweise. Im Wahlpflichtteil kannst du zeigen, dass du die Formen auch verstanden hast. Die DTU nennt dafür in Kup- und Dan-Prüfungen unter anderem diese Optionen.
- Formen-Applikation mit eigenen Partnern, bei der du Sequenzen einer Form als echte Abwehr zeigst
- Form in Anwendung mit Partnern
- Zwei zusätzliche Formen aus dem Vorprogramm nach eigener Wahl
- Ab der Dan-Prüfung eine Form aus dem Vorprogramm mit zwei Bruchtests
- Ab der Dan-Prüfung eine Free-Style-Poomsae mit selbst gestalteter Abfolge
Wie viel dabei verlangt wird, steigt mit dem Grad. Für die Formen-Applikation sind im Kup-Bereich mindestens drei Sequenzen gefordert, bei der Prüfung zum 1. Poom oder 1. Dan mindestens fünf. Bis zum 5. Kup ist die Wiederholung der alten Formen sogar ein eigenes Prüfungsfach, das du bestehen musst.
Wer nur die Schritte auswendig kennt, kommt damit bis zum 1. Kup. Spätestens bei der Applikation zeigt sich, ob du weißt, gegen welchen Angriff ein Block gedacht ist. Wie Gürtel, Wartezeiten und die übrigen Prüfungsfächer zusammenhängen, erklärt unsere Seite zum Taekwondo.
Poomsae als Wettkampf
Formen sind im Taekwondo eine eigene Wettkampfdisziplin mit Welt- und Europameisterschaften. Die Poomsae-Weltmeisterschaft 2026 fand vom 16. bis 20. September im südkoreanischen Chuncheon statt. Laut Deutscher Taekwondo Union reisten 43 deutsche Athletinnen und Athleten aller Altersklassen dorthin. Bei der vorangegangenen Europameisterschaft hatte das deutsche Team 20 Medaillen gewonnen. Neben den klassischen Formen richtet die DTU auch Turniere im Para-Poomsae aus, etwa bei den German Open.
Bewertet wird die Ausführung der Form, nicht ein Kampf gegen einen Gegner. Für Kinder und Ältere ist das eine Möglichkeit, sich im Taekwondo zu messen, ohne ins Vollkontakt-Sparring zu gehen.
Eine Linie auf dem Boden zeigt beim Üben, ob du nach der Form wieder am Startpunkt stehst.
Wie übst du eine Form zu Hause?
Poomsae brauchen wenig Platz und keine Partner. Ein paar Gewohnheiten helfen, damit sich keine Fehler einschleifen.
- Lauf die Form zuerst langsam und zähle jede Bewegung laut mit. So merkst du, wo du hängst, und kannst gezielt diese Stelle wiederholen.
- Klebe dir eine Linie auf den Boden. Endest du nicht am Startpunkt, stimmt irgendwo die Schrittlänge nicht.
- Übe jede Technik einzeln, bevor du Übergänge verbindest. Viele Fehler entstehen beim Drehen.
- Film dich von vorne und von der Seite und vergleiche mit deinem Trainer, nicht mit Videos aus fremden Verbänden.
Die ruhige Wiederholung ähnelt dabei eher den Übungen im Tai Chi als einem Sparringstraining. Wer beides kennt, merkt schnell, wie sehr saubere Stellungen die Balance verbessern. Welche Graduierung zu welcher Farbe gehört, ergänzt der Beitrag zu den Taekwondo-Gürteln. Wie die Formen im Karate aufgebaut sind, zeigt der Beitrag zur Karate-Kata.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Taegeuk und Palgwe?
Beide Reihen haben acht Formen für die Schülergrade. Die Palgwe wurden zwischen 1967 und 1971 gelaufen und dann weitgehend durch die Taegeuk ersetzt, einige Schulen unterrichten sie aber weiter.
Muss ich für den schwarzen Gürtel alle Formen können?
Ja. In der Prüfung zum 1. Dan läufst du Pal Jang und eine ausgeloste Form aus dem Vorprogramm. Du musst also jede der acht Taegeuk sicher beherrschen, auch wenn nur zwei davon tatsächlich drankommen.
Worin unterscheiden sich Poomsae und Karate-Kata?
Das Prinzip ist gleich, eine feste Abfolge gegen gedachte Gegner. Taekwondo-Formen enthalten mehr Tritte, die Kata im Karate meist mehr Hand- und Armtechniken.
Heißt es Taegeuk oder Taeguk?
Beides meint dasselbe. Die Schreibweisen stammen aus verschiedenen Umschriften des koreanischen Wortes. Die DTU schreibt in ihrer Prüfungsordnung Taeguk, im internationalen Gebrauch ist Taegeuk verbreitet.