Karate-Kata: Reihenfolge, Bedeutung und Wettkampf

Karate-Kata erklärt: welche Kata du im Shotokan für welchen Gürtel lernst, was Bunkai bedeutet, wie Kata im Wettkampf bewertet werden und wie du eine Kata sauber übst.

Inhaltsverzeichnis expand_more
Karateka im weißen Anzug führt in einer Halle konzentriert eine Kata-Bewegung in tiefem Stand aus

Wichtig! Im Shotokan legt die Prüfungsordnung des DKV fest, welche Kata du für welchen Gürtel zeigst.

  1. Heian Shodan ist die erste Kata und gehört zum gelben Gürtel
  2. Ab dem 6. Kyu zeigst du zusätzlich zwei Bunkai-Anwendungen mit Partner
  3. Im WKF-Wettkampf werten Kampfrichter von 5,0 bis 10,0

Eine Kata ist eine festgelegte Folge von Abwehr- und Angriffstechniken gegen gedachte Gegner. Im Shotokan-Karate lernst du sie in einer klaren Reihenfolge, von Heian Shodan für den gelben Gürtel bis zur frei gewählten Meisterkata beim Braungurt. Zu jeder Kata gehört das Bunkai, also die Anwendung mit Partner. Im Wettkampf bewerten Kampfrichter die Ausführung auf einer Skala von 5,0 bis 10,0.

Was eine Kata ist

Die Kata ist neben Kihon (Grundschule) und Kumite (Partnerübung) eine der drei Säulen des Karate. Sie bewahrt Techniken, Rhythmus und Taktik in einer Abfolge, die du allein üben kannst. Zu jeder Bewegung gehören eine Richtung, ein Stand und ein Zweck, den du mit der Zeit verstehen lernst. Im Taekwondo heißen solche Formen Poomsae, und dort begleiten dich acht Taegeuk-Formen bis zum schwarzen Gürtel.

Zwei Begriffe begegnen dir früh. Die Shitei-Kata ist eine vorgeschriebene Kata, etwa in einer Prüfung. Die frei wählbare Kata heißt laut Wikipedia Tokui-Kata, also die Kür, in der du deine Stärken zeigst. Darfst du aus einer vorgegebenen Auswahl wählen, spricht man von einer Sentei-Kata.

Kata-Reihenfolge im Shotokan

Die Prüfungsordnung des Deutschen Karate Verbands legt fest, welche Kata du für welchen Kyu-Grad zeigen musst.

PrüfungGürtelKata
8. KyugelbHeian Shodan
7. KyuorangeHeian Nidan
6. KyugrünHeian Sandan
5. KyublauHeian Yondan
4. KyublauHeian Godan
3. KyubraunTekki Shodan
2. KyubraunBassai Dai
1. KyubraunWahl aus Jion, Kanku Dai, Empi, Hangetsu

Für den weißen Gürtel, den 9. Kyu, verlangt die Ordnung noch keine Kata, geprüft werden dort nur Grundtechniken und Partnerübungen.

Wichtig für die Vorbereitung: Alle bis zur jeweiligen Graduierung erlernten Kata gehören mit zum Prüfungsstoff. Wer zum 5. Kyu antritt, muss also auch die früheren Heian-Formen noch sauber beherrschen. Wie die Gürtelfarben insgesamt aufgebaut sind, erklärt unser Beitrag zu den Karate-Gürtelfarben.

Bunkai: die Anwendung

Die Abläufe allein reichen in der Prüfung nicht. Deshalb verlangt die DKV-Prüfungsordnung ab dem 6. Kyu zwei Bunkai-Anwendungen aus der jeweiligen Kata, beim 1. Kyu sogar drei. Du zeigst dann mit einem Partner, wie eine Bewegung aus der Form als Abwehr oder Gegenangriff funktioniert.

Schon beim 7. Kyu fordert die Ordnung neben korrekten Abläufen ein Verständnis der Hintergründe der Techniken. Für die Oberstufe heißt es, der Prüfling müsse den Zusammenhang von Kata und sinnvollen Anwendungen zeigen können.

Zwei Karateka üben mit Partner die Anwendung einer Kata-Bewegung, einer blockt einen Fauststoß Im Bunkai wird aus der Form eine Technik gegen einen echten Partner.

Gleiche Kata, andere Namen

Wer den Verein wechselt, stolpert oft über fremde Namen. Viele Kata gibt es in mehreren Stilrichtungen, nur heißen sie anders.

  • Die Heian-Reihe des Shotokan heißt im Wado-Ryu und im Kyokushin Pinan.
  • Tekki im Shotokan entspricht Naihanchi oder Naifanchin in anderen Stilen.
  • Bassai Dai und Jion tauchen in mehreren Stilen mit leichten Unterschieden auf.

Auch die Welt-Karate-Föderation WKF kennt das Problem. Das Regelwerk erlaubt leichte Abweichungen, wie sie der jeweilige Stil lehrt, und weist darauf hin, dass manche Kata je nach Stil verschiedene Namen tragen. Einen Überblick über die Unterschiede bietet unser Beitrag zu den Karate-Stilen.

So wird Kata im Wettkampf bewertet

Im Wettkampf treten zwei Athleten nacheinander an. Nach den Wettkampfregeln der WKF dürfen nur Kata aus der offiziellen Liste gezeigt werden. Jeder Kampfrichter vergibt eine Wertung von 5,0 bis 10,0, und die Mehrheit der Richter entscheidet, wer weiterkommt.

Bewertet werden unter anderem Stände, Techniken, Übergänge, Timing, Atmung, Kime (Fokus), Kraft, Geschwindigkeit und Gleichgewicht. Als schwerer Fehler gilt Theatralik, etwa Aufstampfen oder Klatschen auf den Anzug. Pro Runde muss eine andere Kata gezeigt werden, bis zu fünf verschiedene sind für ein Turnier nötig. Keine Kata darf in einem Turnier mehr als zweimal gelaufen werden, und zweimal hintereinander ist sie gar nicht erlaubt.

Kata richtig üben

Eine Kata lernst du in Etappen. Wer die ganze Form auf einmal durchläuft, schleift Fehler ein.

  1. Lerne zuerst den Schrittplan, also die Richtungen und Stände ohne Tempo.
  2. Füge die Techniken hinzu, langsam und mit korrektem Hikite, der zurückgezogenen Hand.
  3. Arbeite am Rhythmus, an schnellen und langsamen Passagen und am Kiai.
  4. Übe das Bunkai mit Partner, damit du weißt, was jede Bewegung bedeutet.
  5. Lauf die Kata auch in die Gegenrichtung oder mit geschlossenen Augen, um sie wirklich zu verinnerlichen.

Filme dich ab und zu selbst. Zu hohe Stände und unsaubere Übergänge sieht man auf Video sofort. Was Training und Ausrüstung am Anfang kosten, steht auf unserer Seite zum Karate.

FAQ

Wie viele Kata gibt es im Karate?

Das hängt vom Stil ab. Shito-Ryu etwa ist für seine besonders große Zahl an Kata bekannt. Im Wettkampf zählt nur die offizielle Liste der WKF.

Wie lange dauert es, eine Kata zu lernen?

Den Ablauf von Heian Shodan kennen die meisten nach wenigen Trainingseinheiten. Bis Stände, Rhythmus und Kime prüfungsreif sitzen, vergehen meist einige Monate.

Kann ich Kata allein zu Hause üben?

Ja, das ist einer ihrer Vorteile. Ein paar Quadratmeter Platz reichen. Lass die Ausführung aber regelmäßig von deinem Trainer korrigieren, sonst schleifen sich Fehler ein.

Gilt die Reihenfolge auch in anderen Verbänden?

Nicht unbedingt. Andere Verbände und Stile haben eigene Prüfungsordnungen. Frag in deinem Verein nach der gültigen Ordnung.

Quellen & Infosexpand_more

Über defport

Kampfsport, Selbstverteidigung und Sicherheit – evidenzbasiert aufbereitet. Wir verbinden sportwissenschaftliche Studien mit praxisnahem Wissen und halten unsere Inhalte durch einen datengestützten Ansatz stets aktuell.

Mehr über uns arrow_forward