Wichtig! Bei einem Verdacht auf K.-o.-Tropfen zählt die Zeit. GHB ist im Blut nur etwa 6 Stunden nachweisbar, im Urin rund 12.
- Die Stoffe schmecken höchstens leicht bitter, salzig oder seifig
- Lass dein Getränk nicht aus den Augen und nimm keins von Fremden an
- Bei Bewusstlosigkeit oder Atemproblemen sofort die 112
K.-o.-Tropfen sind Substanzen, die jemandem heimlich ins Getränk oder Essen gemischt werden, um ihn willen- und wehrlos zu machen. Meist sind sie farb- und geruchlos und schmecken höchstens leicht bitter, salzig oder seifig, was in einem Cocktail kaum auffällt. Bei einem Verdacht zählt vor allem die Zeit. Laut einer Ärzteinformation des Frauennotrufs Frankfurt ist der häufig verwendete Wirkstoff GHB im Blut nur etwa 6 Stunden nachweisbar, im Urin rund 12.
Was hinter K.-o.-Tropfen steckt
Der Begriff ist ein Sammelname, kein einzelnes Mittel. Die Ärzteinformation nennt mehrere Gruppen.
- GHB und GBL, in der Partyszene als Liquid Ecstasy bekannt. GBL wandelt der Körper fast vollständig in GHB um.
- Benzodiazepine, also starke Beruhigungs- und Schlafmittel.
- Chloralhydrat und Barbiturate, oft in Mischungen.
Rechtlich unterscheiden sich die Stoffe. GHB fällt unter das Betäubungsmittelgesetz, schon der Besitz ist strafbar. GBL dagegen ist leicht zu bekommen, weil es keinen solchen Beschränkungen unterliegt. Wer einem anderen eine der Substanzen heimlich verabreicht, macht sich trotzdem strafbar. Nach § 224 StGB gilt eine Körperverletzung durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen als gefährliche Körperverletzung.
Wie die Wirkung verläuft
GHB und GBL wirken nach etwa 15 Minuten und können bis zu vier Stunden anhalten. Zu Beginn fühlt sich das wie ein leichter Rausch an, entspannt und enthemmt. Wie stark es wirkt, hängt von der Person und der Dosis ab. Die Ärzteinformation nennt grobe Richtwerte.
| Menge GHB | Typische Wirkung |
|---|---|
| 0,5 bis 1,5 g | enthemmend, entspannend |
| 1,0 bis 2,5 g | euphorisierend, sexuell stimulierend |
| über 2,5 g | Schläfrigkeit, Tiefschlaf, Koma, Atemlähmung, im Extremfall Tod |
Mit Alkohol wird die Wirkung unberechenbar. Das nutzen Täter aus. Wer schwankt und lallt, gilt schnell als betrunken, und niemand fragt nach. Außerdem beeinträchtigen die Stoffe das Gedächtnis, weshalb sich Betroffene am nächsten Morgen oft nur an Bruchstücke erinnern, manchmal an gar nichts, und selbst an dem zweifeln, was sie noch wissen. Zu den Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Atemnot, Kopfschmerz und Krampfanfälle.
Warnzeichen bei dir und anderen
Wer K.-o.-Tropfen bekommen hat, merkt es oft zu spät oder gar nicht. Hellhörig solltest du werden, wenn Wirkung und getrunkene Menge nicht zusammenpassen. Die Fragen, die Ärztinnen und Ärzte bei einem Verdacht stellen, sind zugleich gute Warnzeichen.
- Du fühlst dich nach wenig Alkohol plötzlich stark benommen oder schwindelig.
- Alles wirkt wie in Watte, du bist in einer Art Dämmerzustand.
- Du hast das Gefühl, dich nicht mehr wehren oder bewegen zu wollen.
- Am nächsten Tag fehlen dir Stunden, ein sogenannter Filmriss.
Bei Freundinnen und Freunden gilt dasselbe. Wirkt jemand viel betrunkener, als er sein dürfte, lass ihn nicht allein und nicht mit Fremden gehen. Wird jemand bewusstlos oder atmet schwer, ruf sofort die 112.
So schützt du dein Getränk
Einen vollständigen Schutz gibt es nicht, aber die Gelegenheit lässt sich deutlich verkleinern. Täter brauchen einen Moment, in dem ein Glas unbeaufsichtigt ist. Im Gedränge auf Festivals, Volksfesten und Konzerten gehört das Glas im Blick deshalb genauso zur Vorbereitung auf Großveranstaltungen wie ein fester Treffpunkt mit deiner Gruppe.
- Lass dein Getränk nicht aus den Augen, auch nicht auf dem Weg zur Toilette. Ist es einmal unbeaufsichtigt gewesen, bestell ein neues.
- Nimm Getränke nur direkt vom Barpersonal oder von Menschen an, denen du vertraust. Das gilt auch für alkoholfreie Drinks und für Essen, denn die Substanzen lassen sich in beides mischen.
- Verabrede dich in der Gruppe, aufeinander zu achten, und geht gemeinsam nach Hause.
- Achte auf Menschen, die dich ungewöhnlich oft zum Trinken drängen oder dir Getränke mitbringen wollen.
Das Glas abdecken und im Blick behalten: kleine Gewohnheiten, die Tätern die Gelegenheit nehmen.
Für den Heimweg nach einem langen Abend helfen Begleit- und Notruf-Apps. Welche es gibt, vergleicht unser Beitrag zu Sicherheits-Apps für Frauen. Was auf dem Weg nach Hause sonst hilft, fasst der Beitrag alleine nachts unterwegs zusammen. Ist niemand aus deinem Umfeld mehr wach, bietet das Heimwegtelefon eine ehrenamtliche Begleitung am Telefon bis zur Haustür.
Verdacht: was jetzt zählt
Schnelles Handeln entscheidet darüber, ob sich eine Tat später nachweisen lässt. Die Ärzteinformation beschreibt das Problem offen. Weil Betroffenen oft die Erinnerung fehlt, ist die Beweisführung schwierig, und Täter fühlen sich deshalb sicher. Jede gesicherte Probe ändert das. Die Reihenfolge ist einfach.
- Bring dich zu einer Person, der du vertraust, und bleib nicht allein.
- Geh so schnell wie möglich in eine Notaufnahme oder zu einer Ärztin. Bei Bewusstlosigkeit gilt sofort die 112.
- Sprich den Verdacht auf K.-o.-Tropfen ausdrücklich an und bitte um Blut- und Urinproben, auch wenn schon mehr als zwölf Stunden vergangen sind.
- Die Proben sollten versiegelt und gekühlt aufbewahrt werden. Nimm sie nicht selbst mit, sonst verlieren sie ihre Beweiskraft.
- Nicht jedes Labor kann GHB nachweisen. Die Klinik kann dafür das zuständige Institut für Rechtsmedizin einschalten.
Ob und wann du Anzeige erstattest, entscheidest du selbst, eine Beratungsstelle kann dir dabei helfen.
Wer hilft dir danach?
Viele Betroffene schämen sich. Oder sie zweifeln an ihrer Erinnerung. Beides ist eine typische Folge der Substanzen und kein Grund, allein damit zu bleiben. Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen” ist unter 116 016 an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr kostenfrei und anonym erreichbar, auch für Angehörige.
Das Opfer-Telefon des Weissen Rings unter 116 006 steht allen Betroffenen offen, unabhängig vom Geschlecht, täglich von 7 bis 22 Uhr. Einen Überblick über weitere Hilfen im Alltag gibt unsere Seite zur Sicherheit für Frauen.
FAQ
Sind auch Männer von K.-o.-Tropfen betroffen?
Ja. Die Ärzteinformation des Frauennotrufs weist ausdrücklich darauf hin, dass GHB und GBL eingesetzt werden, um Frauen und auch Männer gefügig zu machen. Außerdem kommen K.-o.-Tropfen bei Raubtaten zum Einsatz.
Heißt ein negativer Test, dass nichts im Glas war?
Nein. Die Stoffe werden schnell abgebaut, und danach lässt sich GHB kaum vom körpereigenen Spiegel unterscheiden. Ein negatives Ergebnis beweist deshalb nicht, dass dir nichts verabreicht wurde.
Ist es strafbar, GBL zu besitzen?
GBL selbst unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz und ist leicht zu bekommen. Strafbar ist aber, es jemandem heimlich zu verabreichen. GHB dagegen fällt unter das Betäubungsmittelgesetz, dort ist schon der Besitz verboten.
Soll ich die Polizei rufen, wenn ich einen Verdacht bei einer Freundin habe?
Bei Bewusstlosigkeit oder Atemproblemen zuerst die 112. Beobachtest du, wie jemand etwas in ein Glas gibt, kannst du die 110 wählen und das Personal informieren. Die Entscheidung über eine spätere Anzeige liegt bei der Betroffenen.