Sicherheit für Frauen: Prävention und Schutz

schedule Aktualisiert: 29. März 2026

Informationen zu Prävention sexualisierter Gewalt, Selbstbehauptung, Unterstützungsressourcen und realistischen Strategien gegen Übergriffe für Frauen.

Sicherheit für Frauen: Prävention, Ressourcen und Selbstbehauptung

Hintergründe & FAQ

Wichtig! “Etwa 40 % der Frauen in Deutschland erleben körperliche und/oder sexuelle Gewalt in ihrem Leben, mehr als drei Viertel der Täter sind aus dem bekannten Umfeld. Präventive Maßnahmen reduzieren Übergriffe um 30 bis 40 %.”

Sicherheit für Frauen ist nicht nur ein persönliches Problem. Es ist auch strukturell: Gesellschaft, Gesetze und Kultur prägen, wie sicher sich Frauen in öffentlichen Räumen bewegen können. Aber Struktur allein ändert sich nicht von selbst. Frauen können jetzt anfangen, mit Wissen, Ressourcen und praktischen Fähigkeiten.

Diese Anleitung ist nicht Angstmache. Es geht nicht darum, dass Frauen sich zu Hause einsperren. Es geht darum, dass sie informiert sind, Optionen kennen und wissen, dass Übergriffe nicht ihre Schuld sind. Gleichzeitig gibt es konkrete Strategien, die das Risiko senken und die Eigenständigkeit erhöhen.

Statistik: Die Realität von Gewalt gegen Frauen in Deutschland

Zahlen sind unangenehm, aber notwendig, um das Problem Ernst zu nehmen.

Nach Daten des Bundesamts für Statistik (BKA) erleben etwa 40 Prozent der Frauen in Deutschland mindestens eine Form von körperlicher oder sexueller Gewalt in ihrem Leben. Das ist nicht ein seltenes Überfall-Szenario, sondern ein strukturelles Problem. Etwa 70 bis 80 Prozent der Täter sind der betroffenen Person bekannt: Partner, Ex-Partner, Familienmitglieder, Bekannte oder Arbeitskollegen. Das klassische “Überfall durch Fremde in der Dunkelheit” ist zwar dramatisch, aber deutlich seltener als Gewalt im privaten oder semi-privaten Raum.

Die Anzeigequote ist niedrig: Nur etwa 10 bis 15 Prozent der Übergriffe werden angezeigt. Gründe sind Scham, Angst vor Nicht-Glauben, Abhängigkeit vom Täter oder schlicht Hoffnungslosigkeit, dass die Justiz hilft. Das bedeutet: Die dunkle Ziffer ist deutlich höher als die statistisch erfassten Fälle.

Besonders betroffen sind Frauen mit Migrationshintergrund, arme Frauen, LGBTQ+-Frauen und Frauen ohne stabiles Zuhause. Intersektionalität ist hier keine akademische Theorie, sie bestimmt, wie sicher oder bedroht sich eine Frau fühlt. Eine weiße, wohlhabende Frau hat andere Erfahrungen als eine schwarze Frau oder eine Frau mit Behinderung. Das wird oft vergessen, aber nicht hier.

Partnerschaftsgewalt. Die unsichtbare Epidemie

Die meiste Gewalt gegen Frauen findet hinter geschlossenen Türen statt.

Partnerschaftsgewalt ist körperlich (Schlag, Tritt, Würgen), sexuell (erzwungener Sex, Vergewaltigung in der Ehe), emotional (Beleidigungen, Kontrolle, Demütigung) oder wirtschaftlich (Verbot zu arbeiten, Geldkontrolle). Häufig ist es eine Mischung. Ein Partner, der die Frau regelmäßig schlägt, kontrolliert auch ihr Geld und diktiert, wen sie sehen darf. Gewalt eskaliert über Zeit: Was mit Wort-Angriffen beginnt, kann zu körperlicher Vergewaltigung führen.

Warnsignale früh erkennen: Ein Partner, der ständig kritisiert, der isoliert (Kontakt zu Freunden und Familie verbietet), der das Handy kontrolliert, der die Frau für seine Wut verantwortlich macht, das sind Früh-Signale für potenziell gewalttätiges Verhalten. Nicht alle diese Partner werden handgreiflich. Aber sie nutzen Kontrolle und emotionale Einschüchterung als Werkzeuge.

Rauskommen ist schwer: Frauen verlassen einen gewalttätigen Partner im Schnitt 5 bis 7 Mal, bevor sie endgültig gehen. Finanzielle Abhängigkeit, gemeinsame Kinder, wenig Selbstvertrauen, Hoffnung auf Besserung oder schlicht Angst davor, dass der Partner gewalttätig wird, wenn die Frau versucht zu gehen, das sind reale Barrieren. Der gefährlichste Moment ist oft die Trennung: Männer, die ihre Kontrolle verlieren, werden manchmal gewalttätiger.

Unterstützung holen: Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen” (08000 116 016) ist kostenlos, 24 Stunden und anonym. Frauenhäuser bieten Zuflucht. Der Hausarzt, die Beratungsstelle oder eine Anwältin können helfen. Das Wichtigste: Mit jemandem zu sprechen, der glaubt. Nicht alle tun das. Familie oder Freunde können zu Bagatellisierung neigen (“Er ist doch sonst nett”). Fachleute wissen besser.

Sexuelle Belästigung und Übergriffe im öffentlichen Raum

Belästigung ist alltäglich und normalisiert, das ist Teil des Problems.

Etwa 80 Prozent der Frauen haben sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum erlebt: Anstarren, Kommentare zum Körper, erzwungene Nähe (Drängen, Greifen), Exhibitionismus oder Verfolgung. Manche Frauen zählen das gar nicht mehr als “echte” Belästigung, sondern als Teil des Frauseins. Das ist falsch. Es ist eine Invasion der Grenzen.

Was Belästigung fördert: Dränge in Menschenmengen (Bahn, Club), Alkoholkonsum, allein sein in schwach belebten Gegenden nachts, sichtbare Unsicherheit (nervös wirken, nicht wissen, wohin man geht), oder die Annahme, dass “er das nicht böse meint”. Ein Mann, der eine Frau in der Bahn hartnäckig anstarrt, testet die Grenzen. Wenn die Frau wegschaut und sich klein macht, fühlt sich der Mann bestätigt.

Strategien zur Abwehr: Klare Ansage, nicht Höflichkeit. “Fass mich nicht an” statt “Das ist unangenehm für mich”. Ausstrahlung von Sicherheit: Aufrecht gehen, Blickkontakt halten (nicht aggressiv, aber präsent). In der Gruppe sicherer fühlen. Der öffentliche Raum ist für Frauen auch. Das zu vergessen ist ein Teil des Problems.

Was nach Übergriff zu tun ist: Anzeige erstatten, auch wenn die Chancen auf Verurteilung klein sind. Der Grund ist wichtig: Der Täter hinterlässt dann eine Spur für zukünftige Vorwürfe. Wenn 10 Frauen Anzeige erstatten, wird es schwerer, “Einzelfall” zu argumentieren. Medizinische Untersuchung (Vergewaltigungstests) sollte schnell geschehen, auch wenn noch nicht klar ist, ob Anzeige erstattet wird. Der Hausarzt kann helfen. Vertrauenspersonen sollten informiert werden. Isolation ist der Feind nach Trauma.

Sicherheit in der Nacht und im öffentlichen Raum

Manche Momente sind höher-riskant. Das zu wissen hilft.

Nachts allein unterwegs: Das Risiko ist real, aber managebar. Helle, belebte Wege nehmen (nicht die schnelle Abkürzung durch dunkle Gassen). Mit Kopfhörern ist die Wahrnehmung eingeschränkt, besser ohne, oder nur ein Ohr. Das Handy nicht permanent bereit, sondern die Umgebung beobachten. Ein Freund sollte wissen, dass die Frau unterwegs ist, und idealerweise eine “Ankunfts-Nachricht” bekommen. Keine Angst, aber Achtsamkeit.

In der Disco und auf der Party: Alkohol ist ein Risikofaktor, nicht weil die Frau schuld ist, wenn etwas passiert, sondern weil Alkohol die Wahrnehmung schwächt. Wenn der Drink zu schnell wirkt (sehr schnell berauscht werden), könnte etwas hinzugemischt sein. Mit Freundinnen gehen, nicht allein. Die Freundinnen auch im Auge behalten. Ein Code-Wort für “Ich brauche Hilfe” mit Freundinnen vereinbaren.

Getrennt von Freundinnen: Passiert das, sollte die Wahrnehmung schärfer werden. Ein Mann, der sehr plötzlich auftaucht und sehr schnell Nähe aufbaut, ist verdächtig. “Können wir uns später treffen?” ist eine Grenze. Wenn der Mann nicht akzeptiert, ist das ein Warnsignal, nicht ein Grund, ihn nicht zu verletzen. Seine Gefühle sind egal; ihre Sicherheit nicht.

Kontrollierte Substanzen: Getränk nicht aus den Augen lassen, Getränk nicht mit Fremden teilen, vor Party essen (nüchtern ist man unsicherer), Alkohol verdünnen (Club-Getränke sind stark konzentriert). Keine Drogen mit unbekannter Zusammensetzung. Das ist nicht moralisch, sondern Risiko-Management.

Selbstbehauptung trainieren. Ohne Angst, mit Klarheit

Selbstbehauptung ist nicht Gewalt. Es ist klare Kommunikation und Grenzensetzung.

Ein Selbstbehauptungs-Kurs ist wertvoll, aber nicht die einzige Antwort. Viele Frauen wissen intellektuell, dass sie “Nein” sagen dürfen, tun es aber nicht, wenn es darauf ankommt. Das liegt an Sozialisierung: Frauen werden gelehrt, höflich zu sein, nicht zu “unbescheiden” zu wirken, andere Gefühle zu respektieren. Ein Täter nutzt diese Höflichkeit aus.

Grenzen setzen von Anfang an: Das erste “Nein” ist entscheidend. Wenn ein Mann eine Grenze testet und die Frau antwortet mit “Das ist nicht so schlimm” oder lächelt nervös statt klar zu sagen “Nein, das magst nicht”, dann wird es wieder versucht. Klares, direktes Feedback ist wichtig.

Körpersprache: Aufrecht stehen, den Blick halten, nicht nervös wirken. Das ist teilweise trainierbar. Ein Kurs in Aikido, Jiu-Jitsu oder einer anderen Kampfkunst gibt nicht nur physische Fertigkeiten, sondern auch psychologisches Selbstvertrauen. Das ist der wertvollere Effekt.

Angriff erkennen und stoppen: Ein echtes Übergriff ist oft nicht wie im Film. Es ist ein Moment. Eine Frau, die trainiert ist, Alarme zu bemerken, hat Optionen. Freunde warnen (“Der Typ schaut komisch”), schnelle Flucht, Lärm machen, aggressive Gegenwehr, diese Optionen sind nur verfügbar, wenn die Frau sie erkennt, bevor es zu spät ist.

Was Kurse tatsächlich helfen: Nicht alle Kurse sind gleich. “Nicht-kämpferische” Kurse, die sich auf Stimme, Körpersprache und Situationsbewusstsein konzentrieren, sind oft effektiver als reine Kampftechniken. Die Realität: 90 % der Übergriffe werden durch Nein-Sagen und schnelle Flucht gestoppt, nicht durch Kämpfen. Siehe auch Selbstverteidigungstechniken und Psychologische Sicherheit.

Ressourcen und Hilfe. Was es gibt und wie man es findet

Niemand muss das allein durchstehen. Es gibt Hilfe.

Telefon-Nummern: Das Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen” (08000 116 016) ist kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar. Die Beraterinnen sind geschult, können konkrete Schritte mit einer Frau planen und kennen lokale Ressourcen. Nummer gegen Kummer (116 111) für Kinder und Jugendliche.

Frauenhäuser und Schutzwohnungen: Es gibt etwa 350 Frauenhäuser in Deutschland. Frauenhäuser bieten Zuflucht, nicht Fragen. Die Adresse ist normalerweise geheim. Der Zugang geht über die Hotline oder Beratungsstellen. Die Kosten werden von der Behörde übernommen.

Beratungsstellen: Fast jede Stadt hat eine Frauenberatungsstelle. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und wird von geschulten Beraterinnen geleitet. Themen sind Gewalt, aber auch Trennung, Kinder, Wohnung und rechtliche Schritte.

Rechtliche Hilfe: Eine Anwältin ist teuer, aber viele Beratungsstellen können kostenlos helfen, die nächsten rechtlichen Schritte zu planen. Schutzmaßnahmen (einstweilige Verfügung, Kontaktverbot) sind möglich und schneller als gedacht.

Ärzte und Ärztinnen: Der Hausarzt kann Verletzungen dokumentieren, kann zur Polizei gehen, kann in Verfahren aussagen. Vertrauensvolle Beziehungen sind wertvoll.

Bei Kindern betroffen: Der Kinderschutz wird ernst genommen. Schulen und Kindergärten sind in der Pflicht, Verdacht zu melden. Das ist nicht immer optimal für das Kind (Trennung vom Elternteil), aber es existiert dieser Rahmen. Das Recht auf Kontakt zum Vater ist nicht bedingungslos, wenn Gewalt im Spiel ist.

Intersektionalität. Verschiedene Frauen, verschiedene Risiken

Sicherheit ist nicht gleich für alle Frauen.

Frauen mit Migrationshintergrund: Sprachbarrieren machen Hilfe suchen schwieriger. Kulturelle Faktoren (Familie, Ehre, Religion) können Frauen davon abhalten, zu sprechen. Arbeitserlaubnis oder Aufenthaltstatus können von Partnern missbraucht werden (“Ich melde dich ab”). Spezielle Beratungsstellen für Migrantinnen existieren, verstehen diese Dynamik besser.

Frauen mit Behinderung: Körperlich oder geistig beeinträchtigte Frauen erleben Gewalt zu höheren Raten. Abhängigkeit von Pflegepersonen kann ausgenutzt werden. Kommunikation kann schwerer sein, Glaubwürdigkeit in Verfahren fraglich. Spezialisierte Unterstützung ist weniger verbreitet, aber vorhanden.

Schwarze Frauen, Frauen of Color: Struktureller Rassismus prägt auch Sicherheit. Polizei wird nicht immer getraut (zu Recht). Verurteilungsquoten unterscheiden sich nach Ethnie. Sicherheit im öffentlichen Raum ist auch raum-bezogen: Manche Gegenden sind für schwarze Frauen weniger sicher.

LGBTQ+-Frauen: Lesbische und nicht-binäre Frauen erleben Gewalt oft aus dem Umfeld (Familie, Gesellschaft), nicht nur von Partnern. “Korrektur”-Vergewaltigung ist real. Hilfsressourcen sind manchmal nicht LGBTQ+-freundlich.

Alleinerziehende und arme Frauen: Wirtschaftliche Abhängigkeit verhindert Flucht. Kindesbetreuung ist teuer. Wohnung zu finden ist schwer. Das System belastet diese Frauen zusätzlich. Auch hier gibt es Hilfe, aber sie braucht mehr Advocacy.

Die Punkte zu sehen heißt nicht, zu generalisieren, aber auch nicht zu so tun, als hätten alle Frauen die gleiche Erfahrung.

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